Anfänge bis 1488
Um den Anfang von Döbernitz zu erfahren müssen wir in das Gebiet der Überlieferungen eintauchen.

Aus „Delitzsch und Umgebung“ von Oskar Reime (Seite 14) *1 wird folgendes berichtet: An der uralten Heeresstraße, im damaligen Gründorfe, jetzt Grünstr. in Delitzsch, bauten sich einige Sorbenwenden an. Sie hatten ihren Herrn in der Feste Alta ( das ist Döbernitz) und ihren Heerführer aber in Gruna. Als Ao (Anno) 927 die benachbarten Deutschen über die Saale vordrangen, wurde auch das Kastell, von den Umwohnenden DELCE genennt und Storcowe (Storckwitz = Vorstoß von Delitzsch und Döbernitz) samt dem Flecken (Ort) Leipzig von den Sorbenwenden gereinigt. Die grüne Wiese auf der das Kastell stand ,gehörte dem Landsassen Boderow -((Landsassen: Das sind diejenigen, (meist Adelige) die der direkten Herrschaft eine Territorialherren unterworfen waren))-welcher darauf grasen und jagen ließ. (In der Regel war die Landsässigkeit an einen Besitz eine Gutes im jeweiligen Territorium gebunden.) Als ein Gut betrachtete man auch Lehen oder Besitzungen von geringer Größe z.B. l Hufen = 30 Morgen. Erst 960 hat man auf vorerwähnter Wiese angefangen, neben dem alten Schlosse Häuser zu bauen. Nach und nach ist dieser zu einer Stadt herangewachsen. Man versichert, dass E.E. Rat allhier von dieser grünen Wiese, worauf die hiesige Stadt erbaut ist, zum Andenken, das solche ehemals sotanem Besitzer von Döbernitz gehöret, noch bis in die neuere Zeit alle Jahre zum Petri und Paule-Markte, ohnbeschadet E.E.Rate zustehende Obergerichte bei der Stadt etliche Sicheln dahin abgegeben haben soll. Unbewiesen könnte man annehmen: Wenn die Anfänge der Stadt Delitzsch auf Döbernitzer Boden begannen und Delitzsch erstmalig 1145 (Lt. einer Urkunde im Domkapitelarchiv Naumburg ) erwähnt wurde, muß Döbernitz schon vorher zu mindestens als Rittersitz existiert haben.

Nach dem Chronisten Lehmann im Teil IV (v. 1540-1599) der Stadt Delitzsch heißt es: "Zu Peter u. Paul hatte jeder Krämer eine Sichel abzugeben. Im Mittelalter-1544 - war das nicht unerheblich gewesen. Heute kann man nicht mehr sagen wie viel eine Sichel war. Auch in der Ausstellung im Schloss „Das Maß aller Dinge“ konnte man sich von einer diesbezüglichen Größe keine Vorstellungen machen. „Jetzt lässt der Rat die wenigen Sicheln durch Diener erheben und gibt die Hälfte an Döbernitz ab.“ Im „Staats,- u. Postlexikon von Sachsen“ verfasst v. August Schumann aus Zwickau im Jahre 1814, steht folgendes:

 

„Döbernitz altschriftsässiges Rittergut im Leipziger Kreise im Amte Delitzsch, 1/4 Stunde südlich von Delitzsch entfernt, am Loberbache in einer sehr fruchtbaren (Auf die Fruchtbarkeit des Bodens bezieht sich möglicherweise der wendische Name des Ortes) und angenehmen Gegend gelegen.

Es hat zwei Ritterpferde und besteht außer dem Schlosse nebst Garten, aus zwei Windmühlen, zwei geistlichen Gebäuden und 28 Häusern auf dem Grund und Boden des Rittergutes“. Eine der Mühlen wurde betrieben von Kersten, Karl. Sie wurde 1930 auf elektrischen betrieb umgestellt und gehört der Farm. Reinsdorf. Erbaut wurde sie vom Müllermeister Michael Leine aus Beerendorf im Jahre 1702.(*8) 1948 wurde sie abgebrochen. Heute zeugt nur noch ein kleiner Hügel vom Standort der Mühle. Die andere erwähnte Mühle: 1580 lässt sich erstmalig ein Müller namens Bernhard Berckmüller belegen. Damit könnte man annehmen, dass eine, sicherlich im Rittergutsbestand gewesene, Windmühle bestanden haben muss *(8). Nach Erinnerungen bzw. Überlieferungen hätte ein Windmühle am Ortsausgang west gestanden und zwar rechterseits hinter Rauschers (jetzt Winter) Haus. In dem besagten Haus war eine Backstube untergebracht, Fragmente davon sind noch vorhanden (der Fuchs bzw. Zug). Es wird vermutet, das diese Mühle einst das Mehl für diese Backstube herstellte.
„Die Ökonomie auf diesem Gute ist in dem trefflichsten Zustande; auch zeichnet es sich durch eine schöne Schäferei aus.

Um das Schloss herum liegen auf der linken Seite der Lober, 13 Häuser mit obstreichen Gärten und auf der rechten Seite 6 Häuser, deren Einwohner die Handarbeiten für das Rittergut tun und dafür durch Feld, -und Wiesennutzung, durch den Zehent auf dem Felde usw. belohnt wurden. Außer den genannten Häusern gibt es noch die neuen Häuser, 9 an der Zahl, deren Bewohner für Wohnungen und Gärtchen nur einige Tage im Jahre Handarbeiten verrichteten; eine Hufschmiede, Pfarr, -u. Schulwohnung und Kirche," so schreibt Schumann weiter.

Die Altschriftsässigkeit erhielt es laut Kanzlei-Nachricht vom 21 Januar 1682. Es gehörten zu dem Gute noch folgende Dörfer: Hohenroda, Brinnis; Luckowehna und Niederossig sowie zu Grebehna I( ein );zu KleinlissaI; zu Peterwitz und Sultiz einige, zu Zschortau, Wolteritz und Zaasch ebenfalls einige Untertanen. Und zu Pohritzsch I Untertan schriftsässig und mit Gespanndiensten.

 

Döbernitz um 1350

 

Der erste Teil endete mit der Aufzählung welche Dörfer zu dem Gute Döbernitz gehörten. Mit dieser Fortsetzung sollen die anfänglichen Besitzverhältnisse dargestellt werden. Der Kartenabdruck ist eine Vorstellung wie Döbernitz in den Anfängen als Ort um die Separationszeit ausgesehen hat (Separation
fand etwa 1830 statt).

Dobernicz Johannes de „et fratres sui habent a domino in villa Postorp 5 marcas reddituum minus 1 fertone, item 2 mansos feodales, item 6 maldra decimacions siligines simul et avene cum(iu)dicio ibidem; item in maiori Liczow 12 mansus cumcuriis et 2 pratis; item ortum ante opidum Deltsch; item in villa Guticz curiam

Übersetzt: Johann von Döbernitz und seine Brüder haben von dem Herrn im Ort Poßdorf 5 Mark wiederbekommen vermindert um 1, ebenso zugewandt 2 Mansus (Hufe) Lehen, ebenso 6 Malter Zehnt mit Weizen und Hafer zugleich ebenda angezeigt; ebenso in Groß Lissa 12 Manus (Hufe) mit Höfen und 2 Wiesen; ebenso garten vor der Stadt Delitzsch; ebenso im Ort Gütz Garten und Hof. (Aus dem Lehnbuch Friedrich dem Strengen. In der Originalakte Rittergut Döbernitz im Landesar 3 chiv in Wenigerode.)
(Mansos – Hube oder Hufe ca. 30–36 Morgen, Marcas – Mark ca. 200g für Münzprägung (Geldwert), Maldra  – Malter ca. 20 ltr. (2/5 Scheffel))
Gelegen im markgrälich-meißnischen districtus, war im Besitz eines Johannes Dobernicz de (siehe oben). Die urkundliche Ersterwähnung erfolgt 1349 als Dobernicz. Der slawische Name könnte von einem Personennamen Dobren oder Dobromir abgeleitet sein, oder für das altsorbische Wort Dobry stehen, was soviel wie „gut“ bedeutet. Im laufe der Zeit wandelte es sich ab. 1439 wurde daraus Döberniz, 1442, Dobernicz, 1518 Dobernitz und1570 Döbernitz. Ab 1350 beherrschten die von Pagk (Pack) den Flecken der sich zu dem Dorfe Döbernitz entwickelte. Dies geschah aber erst nach dem Jahre 1791. Bis dahin gab es nur das Rittergut ohne Dorf.  1350 war es nur Herrensitz; 1445/47 Rittersitz; 1501 Rittersitz u. 3 Vorwerke; 1551 Rittergut; 1747 Rittergut ohne Dorf; 1791 Rittergut ohne Dorf; 1816 Rittergut; ab 1860 ebenfalls Rittergut: 5.  In den folgenden Jahresausgaben sind die Packs erwähnt wurden: Die Chronik von Delitzsch berichtet: 4. Nach Dr. Schmidt (In „Die Fam. Der Grafen Hohental“ – 1896) 7  ist folgendes zu lesen: Nach dem im Lehensbuch-A des Oberlandesgericht zu Naumburg liegenden Lehnbriefen für die Fam. Pack
von 1501. 02. 10. 21. 27. 41. 48. 54. 71. 86 gehörte Döbernitz: Brinnis, das wüste Dorf Watitz, die wüste Mark Holdenberg, die Trift auf Kattersnaundorf Mark, das Dorf Luckowehne, Niederossig, das Dorf Hohenroda, die wüste Mark Stzorau, das Dorf Lugk, der Sternberg und 1,5 Hufen auf Geblitzermark mit Äckern, das wüste Dorf Geritz mit 26 Hufen, der Teich zu Krakau, ein Schock Erbzins zu Delitzsch auf dem Rathaus vom Zoll, Zins in der Gemeinde Lossen, auch auf der Büschauer Mark, zu Grabschütz im Dorfe Grieben auf Brebener Mark auf Rißdorfer Mark, im Dorfe Kl. Lissau, auf Crupismark, im Dorfe Peterwitz, in Penzschien, Peisch, zu Kurtitz, zu Weißmark, in Weltewitz, Refeld, Zeperdemark, Leipzigermark, Zeperde, Ettelwitz, Petewitz, wie Heinrich v. Pack es von seinem Vater und seinem Brüdern ererbt und an sich gebracht hat. Der älteste Lehnbrief des Geschlechtes datiert von 1494 für Heinrich v. Pack, Amtmann zu Delitzsch und für seine Brüder Johann, Hans und Hermann v. Pack. gibt es Streit der Stadt mit denen von Gluch auf Rubach (Rubach war ein Ort zwischen Döbernitz und Delitzsch etwa wo der Wasserturm steht). Als Zeuge tritt Hans v. Pack aus Döbernitz auf. Der Rat der Stadt erhebt Zinsen (Pacht) für die Kohlgärten südlich der Stadt an anderen Stellen. Davon bekommt Hans v. Pack ½ Schock. ½ Schock bekommt Kunen Packes Witwe, 1 ½ Schock Heinrich und Hermann Pake, Brüder.1415 Der R. d. Stadt kauft 21 Acker Holz in Sommorode (Spröda) von Dietrich, Johann und Heinrich Pack f. 2000 Rh.Gulden. war das Rittergut in Döbernitz in den Händen der Fam. Pack (Pagk). Wobei zu erwähnen ist, das der Begriff Rittergut als „ritter gut“ ab etwa 1464 verwendet wird. Die Rittergüter konnten aus einem mittelalterlichen Herrensitz, einem Vorwerk, einem Sattelhof, Freiem Hof, Freigut, früheren bäuerlichen Erbzinsgütern oder aus Klostervorwerken hervorgehen.

 

In seinem Buch “Die Ritter und Freigüter in Nordsachsen“ verzeichnet Wilde 3  folgendes:  Hans v. Pack zu Döbernitz d. Ä. zeugt in einer Urkunde, das er an seinen Vetter Hans v. Pack d. J. verkauft hat: das Feld und Dorf zu Elberitz und auch Besitz auf Jeritz- u. Delitzschmark. Zeuge dafür war Dietrich v. Pack
gesessen zu Wölkau. Hans Pack d. J. gab diese Güter als Lebgedinge an seine Frau zu Lehen. Pack in Döbernitz starb. Die Kirche erhielt für das Leuten 1 RH.Gulden. Albrecht v. Pack (Pagk) zu Dobirnicz gesessen, tritt als Zeuge auf für Hans v. Schenkenberg. Weitere Zeugen sind Hans Pack zu Storkwitz, Hans v. Spiegel zu Püchau u. a. Ilse v. Pack, Albrechts Witwe, erhält ihr Leibgedinge. Die von Packs werden mit Erb- und Obergerichtsbarkeit im Feld und Dorf Döbernitz genannt. 1445 Otto Pack zu Dobernicz, besitzt in der Plege Delitzsch zusammen mit seinem Vetter Hermann die Dörfer Kattersnaundorf, Niederossig, Rodichen (Hohenroda), und Luge (Laue). Als Erbarmann ist Otto Pack mit 4 Pferden und Hermann Pack mit einem Pferd für Ritterdienste veranschlagt. Ottos Weib Sophia, erhält als Leibgedinge von Herzog Friedrich v. Sachsen, u. a. das Dorf Hohenroda. In Hohenroda beindet sich später ein Vorwerk und Schäferei des Rittergutes Döbernitz. Otto Pack aus Döbernitz stellt 4 Ritterpferde. Er, Otto, verkauft an den Delitzscher Rat die Lehn- und Gerichtsbarkeit über die Hausmühle. (Diese Mühle stand am Wallgraben in Delitzsch. Darf aber nicht mit der ehem. Stadtmühle verwechselt werden.) <<

Literatur: l* Dr. Wilde -Manuskript 2007
8* Oskar Reime, „Aus Delitzsch u. Umgebung"

Literatur:

3 Wilde: „Die Ritter u. Freigüter in Niedersachsen“ 1997,

4 Chronik von Delitzsch,

5 Digitales Historisches Ortsverzeichniss von Sachsen,

7 Dr. Schmidt: „Die Fam. Des Grafen v. Hohenthal“

Chronik der Gemeinde Döbernitz

Helmut Jentzsch